Mittwoch, 16. Mai 2018

Burning

Andy Goldsworthy 2017
Wenn die wahre Kunst jene ist, die ihre Produkte eliminiert, bevor jemand auf die Idee kommt sie in den Louvre zu hängen, dann ist die Kunst des Kochens wohl jene die ganz vorne steht.

Schon das Schreiben ist nicht eine ephemere Form der Kunst, denn was einmal auf Papier oder im Internet ist, das bleibt.
Gegen das „Bleiben“ als solches ist ja auch gar nichts einzuwenden. Die reine Form der Kunst begnügt sich jedoch mit dem Schaffensprozess als solchem. Dem Zurücklassen des grad Geborenen und dem Entwickeln des Nächsten aus dem Erleben.
Selbst Kochen hat ja immer noch diesen „Echt lecker Effekt“ … die Bewertung durch die Anderen.
Einen wirklichen Koch interessiert das jedoch einen feuchten Käse. Er weiss selber ob er es hingekriegt hat oder nicht.
So also … angesichts dessen, könnte man in Versuchung geraten, das Kochen als die Spitze der Nadel des Vergänglichen in der Kunst zu vermuten.

NÖ … halt mal … wart schnell … sagt der Meister!
So einfach lasse ich Euch nicht davon kommen … 

Was ist von Moment zu Moment anders … widerlegt sich selber innerhalb von Minuten … ist eigentlich unteilbar … und damit unbewertbar … was entzieht sich sogar der eigenen Bewertung ?

Nichts anderes als das Reisen!

Landschaft folgt auf Landschaft; Perspektive auf Perspektive, Begegnung auf Begegnung.
… und aus all dem kreiert der Reisende seine Erinnerungen, die … trotz Fotos und Blog-Artikeln … hin oder her … unvermittelter sind. 
Kein Wort, kein Gedanke, keine imagination reicht dahin, das Lächeln von Bill hinter dem Tresen, als wir über die Vor-Computer-Zeiten reden und den Anblick des grauen, vom Westwind kabbelig aufgewühlten Lake Huron in einen schlüssigen Zusammenhang zu stellen.

Alles nur Hirngespinnste … persönliche Erinnerungen?
„Was denn das … um des Himmels Willen … mit Kunst zu tuen habe?“

Damit sind wir bei dem was die Kunst des Lebens ist.
Sich selber neu erfinden …
Ja, geht nich … hab ich probiert !!

Aber plötzlich, ganz aus der Tiefe des Seins, beginnen die Erinnerungen eine Eigenleben zu formen. Wo vorher Verzweiflung war, Stress und Angst, sagt die Erinnerung plötzlich das, was Eric zu seinem Pferd sagte: „Easy girl, easy …!“

Womit wir wieder beim Kochen wären:
„Nur wer das ganze Gericht im Blick hat, hat über den Rand des Suppenteller hinausgeschaut.“

Wenn ich mir was wünschen könnte.
Bei allen Geistern dieser Welt, dann dies:
„Möge das Leben eine gekonnte Mischung aus Planung und Improvisation sein.“
Aber genau das ist es!
Das Leben ist ein verdammtes Kunststück.

Donnerstag, 10. Mai 2018

Asking

Thats what happens

Nu isses so weit!

Hab mir heute den Grand Central Terminal angeschaut.
Ausserdem das MOMA (nö nich Morgenmagazin … sondern das Museum Of Modern Art)
wobei es ein kleines Problem mit meinen Problemen bezüglich Menschen- oder besser  Touristenmassen gab  … WIR ( also entweder Pluralis Majestatis oder Foftain und ich, je nach Gusto) sind ausgeklinkt angesichts etwa 2,75 Mio. chinesischer Touristen vor der Kasse.

Was ich dachte ist nicht jugendfrei … 
Jedenfalls WIR gingen grad wieder auf der anderen Seiten vom MOMA wieder raus.

Nu jez hab ich den Faden verloren ….
Ach ja … „ Grand Central Terminal“
Einfach super !!!
Genau so wie in all den Filmen … aber nicht besser!
WAS besser war, ist das Dämmerlicht, in das die Halle getaucht ist.

O.K. vom Knalleffekt her ist die „Grand Central Terminal“ nur die Nr. 2 (oder 3 oder 4) auf meiner Liste echt beeindruckender Gebäude … egal … however … 
...Nr. 1 bleibt nach  wie vor das „Roman amphitheatre of Syracuse“ auf Sizilien … wer das nicht gesehen hat, der weiss nicht was Klarheit, Einfachheit und Grösse bedeuten … vor allem wenn man in der Nacht zuvor einen Traum in Form einer Tragödie hatte.

Jedenfalls … was ich eigentlich erzählen wollte, womit wir wieder beim 1. Satz von diesem etwas wirren Artikelchen wären … „Nu isses so weit!“

… komme ich also aus dem „Grand Central Terminal“ denk mir grad so, wo ich wohl den nächsten Kafi bekommen könnte … kommt ein  Paar (Mann + Frau) längsseits … er mit Cowboyhut sie mit Cowboystiefeln in kackbraun (würg). Er fragt mich was im breitesten TexasSlang.

Ham die mich doch tatsächlich für`n New Yorker gehalten … Oh mein Gott war ich stolz.
Dieser Stolz verführte mich dann auch zu folgender völlig unangemessener Antwort: „ Sorry Sir, what kind of language you are speeking?“ Dabei war ich wohl dann doch eher etwas zu „british“ im Sound … jedenfalls sagte er zu ihr … „Darling … the Empire strikes back!“

Witzig diese Texaner …

Nu jedenfalls wollten sie wissen wie sie zur Ecke W 55 St und 5th Ave kommen
Ich packte also kurz mein in Tagen unermüdlichen Wanderns durch die Stadt erworbenes Wissen aus und erklärte ihnen das System von Streets und Avenues … unter besonderer Berücksichtigung des Broadways … 

Ich gebe zu … meine Ausführungen waren eher theoretisch und etwas … langweilig.
Aber dass die beiden dann wortlos gingen …
das hat mich schon etwas …
ähm ….äh … tangiert …

Ich mochte Texas noch nie ...

Ich fühlte mich in dieser Stadt, zum 2. Mal, wie der Fisch im Wasser, wie die Hand in Handschuh, wie der Eimer im Brunnen und wie die Kirche im Dorf … etwas wie „daheim“ 6.500 Km von meinem Sofa.

Is doch komisch … oder !!?

Ihr wollt Photos sehen … oder!!?

... here we go!




... auf dem Weg zum Grant Central Terminal ... das Empire in 2. Reihe



... endlich da.
ein Wahnsinnslicht ...



... eine Kathedrale des vergangenen Jahrhunderts ... 



hinterm MOMA ... so typisch New York


Ganz zum Ende nochmal den Central Park ... "das Herz will, was das Herz will" (Penny)

10. Mai. 2018 NYC "Old Rose" Jane Street




Mittwoch, 9. Mai 2018

Recommening

Das mach ich nu ja echt selten!

Vor meinem geistigen Auge erschienen in der Nacht 
... oder besser am frühen Morgen, aber noch im Tiefschlaf, 
so ein paar Gestalten, vor allem Bekannte von mir, 
sogar ein paar Freunde.

Sie führten offenbar ein Musical auf. Denn statt zu reden, haben sie alle gesungen 
... nicht schlecht nebenbei bemerkt.

Lustig war`s trotzdem nicht!
Denn während die 1. Sängerin * mich in den schönsten Tönen forciert aufforderte mir die Sehenswürdigkeiten von New York anzuschauen statt ständig nur rum zu laufen, intonierte der Chor eine Strophe aus 
"New York, New York"         (LINK ZU > FRANKIE < )
... den Text leicht abgeändert und viel zu langsam und 3 Oktaven zu tief ... das klang schlicht bedrohlich ...

"If You can`t make it there
You'll  can't make it anywhere
It's up to you You,
don't walk, don't walk!!"

Obwohl nur mit einem Betttuch zugedeckt und im Bademantel eingeschlafen, nach dem harten Tag gestern, wachte ich schweissnass auf. Die Lamellen des Fensters, durch die das erste Morgengrau drang, klapperten im Wind, die Klimaanlage rumpelte und trotzdem hörte ich noch immer den Chor ...
"If You can`t make it ... "

Erst als ich das Licht anknipste, verschwand der Spuk vollständig.

Total durcheinander zog ich den nassen Bademantel aus, hängte mir eine Decke um die Schultern und ging erstmal duschen ... mir den Müll aus dem Kopf spülen. Durch das Rauschen des Wassers meinte ich sie wieder zu hören ...
"It's up to you You ..."

... nun wurde es aber verflixt Zeit für einen Kafi !!

Rein in die Kleider, ab ins "Old Rose" im Erdgeschoss ... "Coffee, black!" ... antwortete ich der Kellnerin auf ihr freundliches "Good mooorniiiing !!!
Sie hatte wohl verstanden, denn schwups stand er Kafi vor mir. 
Sie ging zurück zum Tresen, drehte sich nochmals um, 
plötzlich riss sie sich mit einer einzigen Handbewegung die Kellneruniform runter 
und stand in einem azurblauen Ballkleid und Stöckelpumps vor mir. 

Dann begann sie zu singen: 

"Stars spreading the news
I am leaving today
I want to be a part of it
New Y .... "


"NEIIIIIN !!! " .... 
Ich hörte mich selber noch Schreinen, bevor ich im Bett hochfuhr!
Jemand hämmerte an meine Zimmertür:
"Everything fine with You ?"
Ich musste wohl schon eine ganze Weile geschrien haben!

Lange sass ich auf der Bettkante.
Dann ging ich duschen ... die Kellnerin im "Old Rose" war jetzt ein fetter Kerl.
Eine Weile beäugte ich ihn misstrauisch ... vielleicht ein getarnter Tenor ??!

Aber alles blieb ruhig.

Man macht sich so seine Gedanken, nach so einem Erwachen!

Also gut dachte ich mir, wenn ich mir Sehenswürdigkeiten anschauen soll, dann halt heute rein in den TouristenRummel und ab zum Times Square.

Gesagt getan ... allerdings trödelte ich ziemlich rum und musste mich regelrecht zwingen, mit den Massen zu schwimmen.
Letztlich aber dann doch: TIMES SQUARE 
... die Fotos kommen noch .... (s. Link unten)
Die Freude allerdings kam nicht ... einfach zu viel Menschen.

Also nix wie weg, vorbei an den Musicalplakaten, mit gesenktem Kopf, hastig 
... aber das merkt hier niemand, hier haben es ja alle eilig.
So verkrümelte ich mich in ein Café, in einer Seitenstrasse.
Mit richtigen Menschen, New Yorkern, keine Touris.

Ein prima Laden ... OHNE MUSIK !!!
DAS war mir doch jetzt noch wichtig!

Also nochmals: 
Das mach ich nu ja echt selten!
Einen Laden empfehlen ... aber diesen schon!

UT 47 
358 West 47th 

LINK ZUR WEB SIDE VON UT 47



Bin heute entgegen der Intervention in Form einer nächtlichen, griechischen Tragödie, 

doch wieder 10 Km gelaufen ...   ... Ja, nu ... !!

* wer von Euch das war? Das Geheimnis gebe ich nicht preis ... niemals !!

LINK zu den Photos von heute ...

Geschrieben, völlig nüchtern, 9. Mai 2018 in NYC im Café UT 47 im kleine aber feinen Garten.

Montag, 7. Mai 2018

Walking


Heute bin ich gelaufen, vom Hotel in der Jane Street, den Hudson entlang bis an die Südspitze von Manhattan, dann wieder nach Norden, den Broadway entlang bis Höhe Washington Square Park und dann wieder quer durch Manhattan bis ins Hotel. Das sind so rund 10 Km New York pur.

Was macht den Charme dieser Stadt aus? Wieder fühle ich mich als sei ich schon immer hier gewesen, wie hier aufgewachsen.  New York ist sehr europäisch und dann auch wieder gar nicht. Diese Stadt hat jede Nationalität jede Ethnie. Es macht gar nichts, wenn mein Englisch mittelmässig ist, hier traue ich mich einfach zu sprechen, weil Viele noch schlechter sprechen.
Aber sie verstehen sich und verstehen mich. Ein ehrliches Lächeln mit dieser hauchfeinen Note aus Einsamkeit, Lebensfreude und Stolz hilft dabei. „Be yourself no matter what they say“ 

Ich kanns auch simpler sagen: 'n Haufen neurotische Egozentriker hier, aber die meisten haben ein Herz. Da falle ich gar nicht gross auf.

Heute, ganz im Süden, Ecke Broadway und Battery Park. Fünf schwer bewaffnete Polizisten, Maschinengewehr, Helm, dicke schusssichere Westen. Ein martialischer Anblick, sie verzogen keine Mine … bis …  ja bis eine Mama ihren vielleicht 6 Jährigen zu ihnen brachte, brav fragte ob sie ein Foto machen dürfe. 
Die fünf humorlosen Terminators wurden urplötzlich zu prima Familienvätern, verantwortungsbewussten Onkels und grossen Brüdern. Der Kleine strahlte vor Glück und die Männer hoben ihn auf ihre Schultern. 
Nicht nur Mama knipste, alle Umstehenden machten Bilder. Einer nahm den Jungen auf den Arm und brachte ihn wieder zu Mama. 

Der Mann bei „Soups `n`Burgers“ wo ich zu Mittag esse, hat nur noch einen Platz am Tresen für mich. Er musste dort ausserdem die Ausserhausbestellungen einpacken. So ass ich neben den Papptüten voll Bestellungen und er wuselte um mich rum. „Sorry“ sagte er immer wieder, es war ihm anzusehen, wie unangenehm es ihm war mich beim Essen zu stören. Als der Lieferjunge kam und die Tüten holte, stellte er mir wortlos einen Kafi hin, den ich nicht bestellt hatte. Meinen fragenden Blick beantwortete er mit einem schiefen Grinsen und einer wegwerfendenden Geste.

In Greenwich Village stürzte ein kleines Mädchen mit dem Tretroller auf dem Trottoir. Die ganze Familie war sofort um sie herum und versperrte den Bürgersteig. Ich konnte warten, denn auf mich wartet ja im Moment niemand. Mama machte 1. Hilfe für ein aufgeschlagenes Knie und Papa lotste mich freundlich mit ausladender Geste um die Gruppe herum, schob Onkels und Tanten sanft zur Seite.

Nix zu spüren von „Amerika First“ … scheint ein ganz privater Spleen von Trump und Kumpanen zu sein.

Deutlich heben sich die weissen Betonklötze an jeder erdenklichen Stelle, die zu einem Anschlag mit Auto geeignet wären, ab, von meinem letzten Besuch. An jeder Ecke Polizei, Sicherheitskräfte und Ordner. Angst scheint niemand zu haben, aber sie passen auf.
Klar gehts dabei auch um Geld, denn New York ist Touristenstadt. Aber dies wäre nicht New York, wenn jemand Panik hätte.

Ground Zero ist beeindruckend. Zwei gigantische schwarze Löcher in die Wasser hinabstürzt um dann in einem noch tieferen Loch ins scheinbar Bodenlose zu fallen. Mir fiel der Styx ein, jener Fluss, der in der griechischen Mythologie die Grenze zwischen unserer und der Welt der Toten, dem Hades, zieht. Ich finde es hat Stil, aus einem Trauma ein wohlübersetztes Monument zu machen, das erinnert ohne zu verklären. Gebaute Psychologie.

Last not Least die Kellnerin im Café, wie sie zustimmend mit den Augen rollt, als ich sage, dass ich das Bezahlsystem* ein wenig „difficult“ finde. Wir müssen beide lachen.

Im FotoBlog gibts ein paar Fotos vom Tag.
"10 Km Big Apple" hier ist der > LINK < oder oben in der Menüleiste unter "PHOTO BLOG"


* Man muss zu ihr hingehen, dann tippt sie ein was man bestellt hatte, dann geht sie mit dem Zettel zur Kasse, wo sie eine weitere Kellnerin bittet zu kassieren, die dann wieder ihr das Wechselgeld gibt, dass sie mir dann aushändigt.

Sonntag, 6. Mai 2018

Arriving

Wohlbehalten angekommen in New York City
Arrived safely in New York City

Heute für Euch:  EIN GEWINNSPIEL 
Today for You:   A SWEPSTAKE

Ein Photo mit 4 verborgenen Objekten
A photo with 4 hidden objects
 🔍 klick ins Bild zum vergrössern / clic the pic to enlarge
Wer sie alle 4 findet und Glück hat, bekommt eine Flasche Kentucky Straight Bourbon Whiskey.
Unter allen richtigen Einsendern wird 1 Gewinner ausgelost.*
One who find  them all 4 and have luck, gets a bottle of Kentucky Straight Bourbon Whiskey.
Among all correct submitters will be select 1 winner.*

Einsendeschluss 6. Sept. 2018
Deadline Sept. 6. 2018

Zur Teilnahme eMail an foftain@bluewin.ch
To submit, use e-mail to foftain@bluewin.ch
Tip: Benutze Dein Desktop
Advice: Use Your desktop 
Viel Glück
Good luck

*Die Auslosung ist geheim, zufällig, unzuverlässig, willkürlich aber wohlwollend.
Wenn keine Einsendung richtig ist, trinke ich den Whiskey selber.

*The draw is secret, accidental, unreliable, arbitrary but benevolent.
If there will be no correct submit, I`ll drink the whiskey by myself.
Für rechtliche Informationen lies den:
for legal information read the:
Disclaimer

Concept of post was created in Lucerne 3. of April 2018
Edited and posted in NYC  "The Jane Hotel" at the 5. of May 2018





Samstag, 5. Mai 2018

Starting (early)

... wie immer so, warten bei Starbucks

Liebe Leute vom Reisebüro BRINGMICHWEG (Name geändert), 
liebe Sandra (Name nicht geändert)
Ich mag Euch ja gar nicht gern einen Vorwurf machen.
Leider komme ich nicht drum rum.
Drei Stunden vor Abflug sollte ich einchecken, habt Ihr mir gesagt,  
wegen USA und überhaupt.
Also bin ich 5:20 aufgestanden, damit ich noch einen Kafi trinken kann 
bevor mein Bus zum Bahnhof geht.
Am Flughafen dann, ich total bereit einzuchecken, ziemlich genau 3 Std
vor Abflug.
KEIN Iberia-Check-In weit und breit. 
Die Tante an der Info ...
(leicht übernächtigt, leicht ungehalten, kurz angebunden): 
"... erst 2 Std vor Abflug!"

FUCK!!!
... jetzt sitz ich im Starbucks und warte, trinke ein Café Latte für 7.10 CHF

Ich erwarte 2 Sachen von Euch 
(nein, nicht 3 ... nur falls Euch der Unterschied zw. 2 und 3 immer noch entgeht)
1. Bitte stimmt Euch mit den Airlines ab WANN genau eingecheckt wird.
2. Kafi  im Wert von 7.10 CHF (ich bevorzuge den Fairtrade aus der Migros)

So weit, so blöd!
Herzlichst
Foftain


5.5. 2018 um 9:05h Zürich Airport

Sonntag, 8. April 2018

Sleeping

Eigentlich bin ich ein Sofakind.
Ich erinnere mich noch an die erste elterliche Wohnung.
Die Schese
Das grösste Zimmer hatte meine Grossmutter. In der Mitte ein hölzerner Esstisch, links der kohlebetriebene Herd, daneben der Küchenschrank, der heute mein Küchenschrank ist und rechts ihr Bett. 
In diesem Zimmer fand das Familienleben statt. Auf dem Herd kochte meine Grossmutter das Essen für die Familie, jedenfalls in jenen Jahren, als Mutter und Vater beide zur Arbeit gingen. Es riecht nach Kohlen oder verbrennendem Holz, nach siedendem Fleisch und Kohlwasser in meiner Erinnerung. 
Hier spielten wir Kinder und hier wurde gegessen.*
Es gab ein Wohnzimmer, das aber nur am Abend genutzt wurde, zum Ausruhen, Musik hören oder wenn Besuch kam. Einen Fernseher gab es damals nicht, auch kein Telefon, nur ein altes Radio, dass damals noch gar nicht sooo alt war. 
Eine kleine Küche , in der niemand kochte, in der es aber, am Morgen das Frühstück gab. Hier versuchte meine Mutter mit wachsender Verzweiflung, über Jahre, die „Zitronenrolle“, die sie in einem ihrer Backbücher gefunden hatte, nachzumachen. 
Ausgekittete Einschlagspuren von Kochutensilien in der Küchentüre waren Indizien für einen ihrer Wutausbrüche, wenn das „verdammte Scheissding“ (Originalton) mal wieder gebrochen war.

Es gab ausserdem noch ein Badezimmer mit einem einzigen Waschbecken und einer Wanne, einem ebenfalls kohlebefeuerten Heizkessel fürs Warmwasser und einem Klo.

Und natürlich gab es ein Schlafzimmer für die Eltern, den Bruder und mich. 
Ja alle vier in einem Zimmer!
Mein Kinderbett stand rechts hinter der Türe, das meines Bruders grad nebendran.
In der Mitte des Raums, das Doppelbett der Eltern und links neben der Türe der Kleiderschrank.
An dessen goldenen Schlüsseln hingen tanggrüne Bommeln, die mich ewigs faszinierten.

Mein Kinderbett hatte ein Gitter, vermutlich, damit ich nicht abhauen konnte. 
Es war dunkelbraun, hochglanzlackiert und ich pulte diesen Lack, wenn ich nicht schlafen konnte, ab. 
Irgendwo hatte ich eine Schwachstelle gefunden, eine Blase im Anstrich oder ein Riss, den ich nun Nacht für Nacht erweiterte. Ich konnte in diesem Bett nicht wirklich gut schlafen. Vielleicht auch weil die permanente elterliche Präsenz oder einfach nur das Schnarchen meines Vaters mich störte. 
Ich glaub ich hasste dieses Bett ... aber das ist schon sehr lange her.

Die Erinnerungen sind natürlich lückenhaft, die kleinkindliche Amnesie lässt eigentlich nicht mehr als ein paar Bohrproben zurück. Aber, soweit ich mich erinnere, zog ich, direkt vom dem verdammten Kinderbett, auf ein Sofa um, zeitgleich mit dem Umzug unserer Familie. 
Meine Eltern hatten in einem Dorf, ein wenig ausserhalb, ein Haus gebaut. 
Aber dieses Sofa war nicht mal ein Sofa, sondern eher das, was die Franzosen einen „Langen Stuhl“ nennen, eine Chaiselongue … eingedeutscht und abgekürzt, eine Schese [ˈʃeːzə]

So schlief ich also in den folgenden Jahren auf diesem Sofa, dieser Schese, bevor ich dann, irgendwann in den 70ern mein erstes Bett bekam. Aber glücklich war ich nicht mit diesem Bett. Mir fehlte mein Sofa, mit dem hart gepolsterten Kopfteil. Statt dessen gabs jetzt ein Kopfkissen, dass ich mir erst zurechtpuffen musste bevor es einigermassen bequem war. 

Kaum hatte ich das elterliche Haus verlassen, lebte im Norden auf einer Insel, baute ich mir selber ein Bett. Damals bauten man Hochbetten, vermutlich, weil in den WGs, die ich kannte jeder nur ein Zimmer hatte und mit dem Platz haushalten musste. Meist war unter dem Bett dann der Arbeitsplatz, der Schreibtisch und Bücherregale.
Nicht so bei mir! Unter meinem Hochbett, das ich ringsum mit weissen Tüchern abhängte, baute ich aus Matratzen und Decken eine Art von Beduinenzelt, mit einem kleinen Tischen in der Mitte, fürs Bier und den Aschenbecher, die auf den Matratzen dauernd umkippten.
Dort sass ich mit den Freunden und wir soffen und qualmten und quasselten durch die Nächte. 
Die Freunde nannten mein Zelt nur "Die Frauenfalle".
Ich gebe zu, es war ausgezeichnet für ein Tête-à-Tête geeignet und ich verdanke der heimeligen, geschützen Atmosphäre sicher einige ziemlich prima Nächte.
Aber letztlich gingen doch weit weniger Frauen in die "Falle", als ich mir gewünscht hätte und die Gerüchte, die ich damals gern durch lächelndes Schweigen befeuerte, besagten.
Geschlafen habe ich oben in dem Hochbett eigentlich nie, ich kuschelte mich in mein Zelt, deckte mich zu, mit dem was grad da war ... aber in dem Alter hab ich eh nie Mühe mit schlafen.

Eigentlich hab ich mir das Schlafen wohl bei unseren Hunden und Katzen abgeguckt. Die suchen sich einfach irgendein gemütliches Plätzen, legen sich hin und schlafen. Fertig.
So schlafe ich bis heute nur ungern in Betten. Mir scheint immer als "müsse" ich schlafen, wenn ich mich in ein Bett lege. Das nervt und hält mich wach.
Lieber liege ich auf meinem Sofa, da "darf" ich schlafen.
Aber ich darf auch wach sein, essen, trinken, in der Nase bohren, fernsehgucken, rumspinnen, Geschichten schreiben oder was man eben sonst so alles auf einem Sofa machen kann.


Heute mein Lieblingssofa, tief in der Nacht, ich glücklich schlaflos, die Bettdecke um die Schultern gehängt, im Vorbeigehen geknipst.


Wer jetzt sich noch schlaflos in seinem Bett rumwälzt, für den habe ich somit einen guten Rat.
Der kluge Leser ahnt welchen, der weniger kluge wälzt weiter.

Gute Nacht ⭐️🌙 


* womit wohl auch meine Liebe zu WohnKüchen erklärt ist







Samstag, 24. Februar 2018

Cleaning




Wenn ich meine Wohnung aufräumen muss, ist mir jede Ablenkung recht.
Meine Ablenkung heute: Japanisch lernen und Mark Twain.



1891 reiste er nach Europa, wohnte eine Weile in Berlin, dort gefiel es ihm offenbar, er nannte die Stadt: 
"Leuchtendes Zentrum der Intelligenz, eine wunderbare Stadt".
Seine beiden Töchter studierten später in Berlin.
Mit der Sprache kam er aber offensichtlich nicht so zu Schlag:


"Die deutsche Sprache sollte sanft und ehrfurchtsvoll zu den toten Sprachen abgelegt werden, denn nur die Toten haben genügend Zeit, um sie zu lernen." 
Mark Twain


Das mit mir und dem Japanisch, das braucht wohl auch `ne Menge Zeit ?! 
Aber ich fühl mich jetzt in guter 
Gesellschaft mit meiner diesbezüglichen Verzweiflung.
Arigato Twain-San!


Nun letztlich hab ich dann doch geputzt. 
Na, jedenfalls mal die Küche.
Es ist abgewaschen und aufgeräumt.

"Putzen" heisst auf japanisch übrigens nicht "Pu-Zen" sondern ...

... aber dem bin ich noch auf der Spur ... 











Luzern 24. Februar 2018



NACHTRAG
Friedrichshafen, 5. März 2018
Nach meinen bisherigen Spurensuche ist
sōji 
das richtige Wort


Samstag, 17. Februar 2018

Shopping



In der MIGROS ...
(für NichtSchweizer, die MIGROS [ˈmiɡro] ist der grösste Grossverteiler in der Schweiz. 

… also in der Migros, am Samstagmorgen vor Ostern, vor mir am Stand mit den abgepackten Fleisch- und Wurstwaren ein Schweizer Ehepaar. Beide nebeneinander und der Einkaufswagen auch noch. Etwa 4 Meter der Verkaufslänge sind blockiert. Beide streiten sich, was sie kaufen sollten.
Ich warte eine Weile geduldig, dann räuspere ich mich vernehmlich. 
Sie dreht sich rum, ohne mit Reden aufzuhören, guckt wieder weg, quasselt weiter. 

Ich werde milde säuerlich und frage ob ich mal an den Stand darf. 
Beide hören auf zu reden, plappern ihr „Exküsé“  ...

(„Exküsé“ ... Betonung auf dem letzten "e"... ist die Standardformulierung und lehnt sich wohl an das französische „excuse“ = "Entschuldigung" an, damit ist aber in der Schweiz beileibe keine Entschuldigung gemeint, sondern es ist eigentlich, je nach Tonlage, etwas zwischen Anzicken und getarntem Frontalangriff)
 
... und schauen mich an, als habe ich mitten im Laden auf den Boden uriniert.
Sie rücken etwas zusammen, den Wagen weiter längsseits neben sich. 

Ich komme immer noch nicht an die Auslagen. „…könnten Sie vielleicht ihren Wagen woanders hinstellen?“
Während mich vier Augen ermorden, bequemt Madame sich, den Wagen an sich zu ziehen, verbleibender Platz für die beiden ist tatsächlich von 4 Meter auf 3 Meter geschrumpft.

Ich werde richtig sauer … hab aber keinen Bock auf Stress mit Familie Büntzli.*
Also gehe ich mal die Milch holen, checke mal den Frischkäsetresen ab und werfe ab und zu einen Blick Richtung Fleischstand. 
Die beiden haben je eine Packung in der Hand und interessieren sich für ihre Umgebung etwa so viel wie eine Katze für Blattspinat.
Hinter Ihnen bildet sich eine Traube von Kunden, die auch Fleisch oder Wurst wollen. Alle räuspern sich in regelmässigen Abständen. 

Ein Schweizer fasst sich ein Herz und sagt: 
„Eigentlich ist bei uns allen Ostern.“
Endlich scheinen die beiden zu kapieren, sie sondern zusammen etwa 9 Exküsés ab und trollen sich … ohne Fleisch!

Später … 
... der Teufel scheisst immer auf den grössten Haufen... 
stehen sie hinter mir an der Kasse.

Kaum habe ich mein Zeug auf dem Fließband, beginnen sie hastig ihren Kram auf die 10 cm bis zum Bandende zu stapeln. Jedesmal wenn das es ein paar Zentimeter vorwärts geht, werden diese sofort okkupiert.
Vor mir ist noch ein Kunde am Einpacken und bezahlen. Was aber die Frau hinter mir nicht dran hindert, mir den Einkaufswagen in die Kniekehlen zu schieben.

Diesmal halte ich mich nicht zurück, sehr laut sage ich ihr, sie solle einen Schritt zurück gehen und warten bis sie dran sei. Sie hätten es schon „pressant“ entgegnet sie und „Exküse“ fügt sie hastig hinzu. 
Ich entziehe ihr meine Aufmerksamkeit, höre aber noch wie ihr Mann ihr zuraunt „d` hure Dütsche do“ 
(= Die scheiss Deutschen hier)

Zumindest auf den ersten Blick gibts rund um den Globus jede Menge liebenswerte Menschen. 
Der Prozentsatz der Arschlöcher liegt nach meiner Erfahrung so um die 5%.

Wenn Du eine höhere Arschlochdichte brauchst, dann stell Dich in der Migros an der Kasse an.
Am Besten am Samstag vor Ostern!

* Bünzli ist einerseits ein Schweizer Familienname, anderseits im Schweizerdeutschen eine abwertende Bezeichnung für eine geistig unbewegliche, kleinkariert denkende und ausgeprägt gesellschaftskonforme Person, mithin ein Synonym für Spiessbürger. (Wikipedia)
Ich bezeichne diese Leute gern als "Wixköppe" in Anlehnung an das Buch von Giulio Cesare Giacobbe



















Geschrieben mit medizinischem Whiskey im Blut in irgendeiner Kneipe in Basel am 20. April 2017