Donnerstag, 17. Mai 2018

Hiding

16. Mai von Port Sanilac am Lake Huron entlang  bis Epoulette am Lake Michigan

Die Freunde in Vermont haben mir geraten, wenn ich schon nicht durch Detroit und Chicago fahren will, wenigstens den „Thumb of Michigan“ anzuschauen. Sogar der Grenzbeamte, die Sorte Leute, die sonst weder für Freundlichkeit oder Redseligkeit bekannt sind, sagte, dort sei es „beautiful“ und rang sich ein Lächeln ab.

Also … obwohl ich ja sonst nicht so für „Was Angucken“ bin (noch immer tief traumarisiert von den gefühlt 748 chinesischen Touris in Broken Hill) habe ich mich also auf den Weg gemacht … gar einen Umweg von 70 Km akzeptiert.

Letztlich, hat es mir eine neue Seite im „Buch-USA“ aufgeschlagen … nein kein Kapitel … eine Seite. Wohl hauptsächlich deutsche und niederländische Auswanderer dort … alles friesisch piekfein … alle Häuschen wie frisch gelackt. Die ehemals ertragslosen Ufergrundstücke am Lake Huron an die Neureichen aus Detroit verkauft, die da ihre Understatement-Protz-Wochenend-Vorzeige-Villen hingepflastert haben. 
So fuhr ich, nach Norden am Ufer den Lake Huron, die Villen immer rechts, die Bauernhöfe immer links. Rechts tote Hose, links Arbeit und Kinder auf Schaukeln und Pferde … ein normaler Mittwoch.

Dann wieder nach Süden, die andere Seite des „Daumens“ herunter.
Richtung Norden, dann wieder Richtung Mackinaw City, dort wo eine riesige Brücke den Sund zw. Lake Huron und Lake Michigan überspannt.

Dieser Weg nach Norden ist die Interstate 75, die durch eine wunderbare Wildnis gebaut ist. Über 300 Km fast nur Wald und Sümpfe und tundra-ähnliche Flächen.

Endlich eine fast leere Strasse für mich allein … ab und zu eine Tankstelle, ein kleines Dorf, ein paar Häuser. Ansonsten …. NIX. Langsam kommt das alte Feeling wieder, nach den vollen Autobahn in USA und Kanada, den verstopften Städten mit Ampeln und Staus.

Musik an, Kafi trinken, einfach fahren ….

… so tauche auch Foftain nach langer Zeit mal wieder auf.
Vom Rücksitz aus tippte er mir auf die Schulter und fragte, wo der Whiskey sei.
„Im Kofferraum und da bleibt er auch!!“ 
Er knurrte eine Antwort.

Wir quasselten so über dies und das … über New York, über Frauen und warum ich so oft gestresst war. „Es macht null Spass mit Dir, wenn Du so drauf bist“ hielt er mir vor.

Das ging so eine Weile hin und her … bis es still wurde hinten, als ich mich umdrehte war er eingeschlafen.
Die Tankanzeige ging gegen 1/4 und ich dachte es sei gut eine Pause zu machen.

„Next Gas, Food & Lodging Exit Wolverine“ 
… ein Witz ?! … ich musste 2x lesen.
Tatsächlich! 
Eine Tankstelle mit Shop.
Vor den Zapfsäulen nur Pickups, ramponierte Mazdas und Toyotas, ein paar Trucks.
Dürre bärtige Männer mit dreckigen Jeans und noch dreckigeren Hunden, dickliche Frauen mit 3-4 Kindern mit verschmierten Mündern. 

Drinnen gabs echt Alles von der Angel bis zur Avocado vom Zapfhahn bis zur Zahnpasta.
Wohl der einzige Laden im Umkreis von vielen Kilometern.

Also schnell mal in den Restroom den Kafi vom Morgen wegbringen, Neuen holen und 30$ Prepaid für Säule Nr. 10.

So steh ich als mit Kafi und 35$ in der Schlange vor der Kasse, die Kinder brüllen, die Hunde kläffen, die Mamis schimpfen, die Typen dräuen vor sich hin.

Zwei Leute weiter vor mir, ein Riesenkerl mit ewig langen Armen. Mit einem total zerbeulten Filzhut, Jeans mit Hochwasser und einem etwas knapp geratenen weiss-rot karierten Hemd.
An den Füssen Stiefel in  … ich würd mal schätzen Grösse 56.
Über den Rand der Stiefel hängen dunkelbraune, flauschige Socken immerhin, denke ich noch, trägt er Socken. Aus den zu kurzen Hemdsärmeln schauen die Ärmel des Unterhemdes raus, die sehen irgendwie genau so wie die Socken aus … als habe er einen Strampler mit Füsschen an.
An den Händen dicke Arbeitshandschuhe um den Hals ein Tuch in der Grösse eines Badelakens … 
… und der Typ stinkt … das ich es über 3 Meter riechen kann.


Als er dran ist mit bezahlen, knallt er eine Flasche Wild Turkey auf den Tresen und ein Sixpack Steaks, dazu grunzt er was vor sich hin.
Die Verkäuferin fragt ihn ob er auch getankt hat. Erst schüttelt er nur den Kopf, aber der Frau reicht das nicht, sie fragt noch mal. 
Da gibt der Typ Töne von sich, die ich noch nie zuvor irgendwo von einem Lebewesen gehört habe. Es beginnt mit einem orgelnden, hohen Flöten und geht in ein unterirdisches Blubbern, fast Dröhnen über. Alle gucken ihn an. Er scheint sich plötzlich klein zu machen, was bei seiner Grösse ein Kunststück ist, schüttelt wie ein schüchternes Kind wieder den Kopf, kramt eine Handvoll Dollarscheine aus der Westentasche seines Hemdes legt sie zögernd neben die Kasse und geht zur Türe. 
Die Tür öffnet automatisch, was ihm wieder ein Grollen entlockt. 
Durch das Fenster sehe ich wie er Richtung Waldrand geht, die letzten Meter läuft er, er rennt sogar … unglaublich schnell ist er dann verschwunden, kein Ast der engstehenden Bäume bewegt sich.

Im Laden ist es still, geworden, die Hunde kneifen die Schwänze ein und drücken sich an die Beine der Herrchen, die Kinder sind blass und so ruhig, dass die verstummten Mamis auch gar nichts mehr zu schimpfen hätten und die Typen stehen da, man kann es sogar durch die Bärte sehen, mit offenen Mund. Ich denke, ich habe wohl auch kein sehr viel klügeres Bild abgegeben.

Einzig die Kassiererin ist ganz unbeeindruckt … „Kommt so alle zwei Wochen mal rein … kauft immer das Selbe … Whiskey und jede Menge Steaks … könnte mal duschen der Kerl … stinkt wie`n totes Maultier“

Das bricht das Eis … die Kinder schreien los, was wiederum die Hunde zum kläffen bringt, die Mamis zum Schimpfen und die Kerle kauen, soweit nicht auf den Boden gefallen, ihre Kaugummis weiter.

Als ich zum Auto komme und den Zapfhahn in den Tank stecke, steigt Foftain aus. ich sehe ihn sehr selten so aufgeregt.
„ … haste den Kerl gesehen? Weisste was das war? …. und weisste was der in der Hand hatte??“
„Ja hab ich, nö weiss ich nich, ja weiss ich!“ … ganz manchmal bin ich eben auch cool !

„Das war ein Sasquatch … ein Waldmensch … unglaublich“ … und der hatte ne Flasche Whisky in der Hand" 
Foftain gaffte Richtung Wald, dann drehte er sich wieder zu mir: „Wo hast Du gesagt ist unser Whiskey?“
„Mein Whiskey … und immernoch im Kofferraum und da bleibt er auch“

Der Tank war voll, ich hängte den Zapfhahn wieder ein, machte dan Tankdeckel zu … als ich Foftain sage er soll einsteigen, sehe ich grade noch wie er auf den Waldrand zu läuft, dabei hält die rechte Hand hoch, den Mittelfinger gestreckt. 


So fuhr ich allein aus Wolverine ab weiter Richtung Norden.





geschrieben am 16. Mai 2018 Epoufette Michigan









Mittwoch, 16. Mai 2018

Burning

Andy Goldsworthy 2017
Wenn die wahre Kunst jene ist, die ihre Produkte eliminiert, bevor jemand auf die Idee kommt sie in den Louvre zu hängen, dann ist die Kunst des Kochens wohl jene die ganz vorne steht.

Schon das Schreiben ist nicht eine ephemere Form der Kunst, denn was einmal auf Papier oder im Internet ist, das bleibt.
Gegen das „Bleiben“ als solches ist ja auch gar nichts einzuwenden. Die reine Form der Kunst begnügt sich jedoch mit dem Schaffensprozess als solchem. Dem Zurücklassen des grad Geborenen und dem Entwickeln des Nächsten aus dem Erleben.
Selbst Kochen hat ja immer noch diesen „Echt lecker Effekt“ … die Bewertung durch die Anderen.
Einen wirklichen Koch interessiert das jedoch einen feuchten Käse. Er weiss selber ob er es hingekriegt hat oder nicht.
So also … angesichts dessen, könnte man in Versuchung geraten, das Kochen als die Spitze der Nadel des Vergänglichen in der Kunst zu vermuten.

NÖ … halt mal … wart schnell … sagt der Meister!
So einfach lasse ich Euch nicht davon kommen … 

Was ist von Moment zu Moment anders … widerlegt sich selber innerhalb von Minuten … ist eigentlich unteilbar … und damit unbewertbar … was entzieht sich sogar der eigenen Bewertung ?

Nichts anderes als das Reisen!

Landschaft folgt auf Landschaft; Perspektive auf Perspektive, Begegnung auf Begegnung.
… und aus all dem kreiert der Reisende seine Erinnerungen, die … trotz Fotos und Blog-Artikeln … hin oder her … unvermittelter sind. 
Kein Wort, kein Gedanke, keine imagination reicht dahin, das Lächeln von Bill hinter dem Tresen, als wir über die Vor-Computer-Zeiten reden und den Anblick des grauen, vom Westwind kabbelig aufgewühlten Lake Huron in einen schlüssigen Zusammenhang zu stellen.

Alles nur Hirngespinnste … persönliche Erinnerungen?
„Was denn das … um des Himmels Willen … mit Kunst zu tuen habe?“

Damit sind wir bei dem was die Kunst des Lebens ist.
Sich selber neu erfinden …
Ja, geht nich … hab ich probiert !!

Aber plötzlich, ganz aus der Tiefe des Seins, beginnen die Erinnerungen eine Eigenleben zu formen. Wo vorher Verzweiflung war, Stress und Angst, sagt die Erinnerung plötzlich das, was Eric zu seinem Pferd sagte: „Easy girl, easy …!“

Womit wir wieder beim Kochen wären:
„Nur wer das ganze Gericht im Blick hat, hat über den Rand des Suppenteller hinausgeschaut.“

Wenn ich mir was wünschen könnte.
Bei allen Geistern dieser Welt, dann dies:
„Möge das Leben eine gekonnte Mischung aus Planung und Improvisation sein.“
Aber genau das ist es!
Das Leben ist ein verdammtes Kunststück.

Donnerstag, 10. Mai 2018

Asking

Thats what happens

Nu isses so weit!

Hab mir heute den Grand Central Terminal angeschaut.
Ausserdem das MOMA (nö nich Morgenmagazin … sondern das Museum Of Modern Art)
wobei es ein kleines Problem mit meinen Problemen bezüglich Menschen- oder besser  Touristenmassen gab  … WIR ( also entweder Pluralis Majestatis oder Foftain und ich, je nach Gusto) sind ausgeklinkt angesichts etwa 2,75 Mio. chinesischer Touristen vor der Kasse.

Was ich dachte ist nicht jugendfrei … 
Jedenfalls WIR gingen grad wieder auf der anderen Seiten vom MOMA wieder raus.

Nu jez hab ich den Faden verloren ….
Ach ja … „ Grand Central Terminal“
Einfach super !!!
Genau so wie in all den Filmen … aber nicht besser!
WAS besser war, ist das Dämmerlicht, in das die Halle getaucht ist.

O.K. vom Knalleffekt her ist die „Grand Central Terminal“ nur die Nr. 2 (oder 3 oder 4) auf meiner Liste echt beeindruckender Gebäude … egal … however … 
...Nr. 1 bleibt nach  wie vor das „Roman amphitheatre of Syracuse“ auf Sizilien … wer das nicht gesehen hat, der weiss nicht was Klarheit, Einfachheit und Grösse bedeuten … vor allem wenn man in der Nacht zuvor einen Traum in Form einer Tragödie hatte.

Jedenfalls … was ich eigentlich erzählen wollte, womit wir wieder beim 1. Satz von diesem etwas wirren Artikelchen wären … „Nu isses so weit!“

… komme ich also aus dem „Grand Central Terminal“ denk mir grad so, wo ich wohl den nächsten Kafi bekommen könnte … kommt ein  Paar (Mann + Frau) längsseits … er mit Cowboyhut sie mit Cowboystiefeln in kackbraun (würg). Er fragt mich was im breitesten TexasSlang.

Ham die mich doch tatsächlich für`n New Yorker gehalten … Oh mein Gott war ich stolz.
Dieser Stolz verführte mich dann auch zu folgender völlig unangemessener Antwort: „ Sorry Sir, what kind of language you are speeking?“ Dabei war ich wohl dann doch eher etwas zu „british“ im Sound … jedenfalls sagte er zu ihr … „Darling … the Empire strikes back!“

Witzig diese Texaner …

Nu jedenfalls wollten sie wissen wie sie zur Ecke W 55 St und 5th Ave kommen
Ich packte also kurz mein in Tagen unermüdlichen Wanderns durch die Stadt erworbenes Wissen aus und erklärte ihnen das System von Streets und Avenues … unter besonderer Berücksichtigung des Broadways … 

Ich gebe zu … meine Ausführungen waren eher theoretisch und etwas … langweilig.
Aber dass die beiden dann wortlos gingen …
das hat mich schon etwas …
ähm ….äh … tangiert …

Ich mochte Texas noch nie ...

Ich fühlte mich in dieser Stadt, zum 2. Mal, wie der Fisch im Wasser, wie die Hand in Handschuh, wie der Eimer im Brunnen und wie die Kirche im Dorf … etwas wie „daheim“ 6.500 Km von meinem Sofa.

Is doch komisch … oder !!?

Ihr wollt Photos sehen … oder!!?

... here we go!




... auf dem Weg zum Grant Central Terminal ... das Empire in 2. Reihe



... endlich da.
ein Wahnsinnslicht ...



... eine Kathedrale des vergangenen Jahrhunderts ... 



hinterm MOMA ... so typisch New York


Ganz zum Ende nochmal den Central Park ... "das Herz will, was das Herz will" (Penny)

10. Mai. 2018 NYC "Old Rose" Jane Street




Mittwoch, 9. Mai 2018

Recommening

Das mach ich nu ja echt selten!

Vor meinem geistigen Auge erschienen in der Nacht 
... oder besser am frühen Morgen, aber noch im Tiefschlaf, 
so ein paar Gestalten, vor allem Bekannte von mir, 
sogar ein paar Freunde.

Sie führten offenbar ein Musical auf. Denn statt zu reden, haben sie alle gesungen 
... nicht schlecht nebenbei bemerkt.

Lustig war`s trotzdem nicht!
Denn während die 1. Sängerin * mich in den schönsten Tönen forciert aufforderte mir die Sehenswürdigkeiten von New York anzuschauen statt ständig nur rum zu laufen, intonierte der Chor eine Strophe aus 
"New York, New York"         (LINK ZU > FRANKIE < )
... den Text leicht abgeändert und viel zu langsam und 3 Oktaven zu tief ... das klang schlicht bedrohlich ...

"If You can`t make it there
You'll  can't make it anywhere
It's up to you You,
don't walk, don't walk!!"

Obwohl nur mit einem Betttuch zugedeckt und im Bademantel eingeschlafen, nach dem harten Tag gestern, wachte ich schweissnass auf. Die Lamellen des Fensters, durch die das erste Morgengrau drang, klapperten im Wind, die Klimaanlage rumpelte und trotzdem hörte ich noch immer den Chor ...
"If You can`t make it ... "

Erst als ich das Licht anknipste, verschwand der Spuk vollständig.

Total durcheinander zog ich den nassen Bademantel aus, hängte mir eine Decke um die Schultern und ging erstmal duschen ... mir den Müll aus dem Kopf spülen. Durch das Rauschen des Wassers meinte ich sie wieder zu hören ...
"It's up to you You ..."

... nun wurde es aber verflixt Zeit für einen Kafi !!

Rein in die Kleider, ab ins "Old Rose" im Erdgeschoss ... "Coffee, black!" ... antwortete ich der Kellnerin auf ihr freundliches "Good mooorniiiing !!!
Sie hatte wohl verstanden, denn schwups stand er Kafi vor mir. 
Sie ging zurück zum Tresen, drehte sich nochmals um, 
plötzlich riss sie sich mit einer einzigen Handbewegung die Kellneruniform runter 
und stand in einem azurblauen Ballkleid und Stöckelpumps vor mir. 

Dann begann sie zu singen: 

"Stars spreading the news
I am leaving today
I want to be a part of it
New Y .... "


"NEIIIIIN !!! " .... 
Ich hörte mich selber noch Schreinen, bevor ich im Bett hochfuhr!
Jemand hämmerte an meine Zimmertür:
"Everything fine with You ?"
Ich musste wohl schon eine ganze Weile geschrien haben!

Lange sass ich auf der Bettkante.
Dann ging ich duschen ... die Kellnerin im "Old Rose" war jetzt ein fetter Kerl.
Eine Weile beäugte ich ihn misstrauisch ... vielleicht ein getarnter Tenor ??!

Aber alles blieb ruhig.

Man macht sich so seine Gedanken, nach so einem Erwachen!

Also gut dachte ich mir, wenn ich mir Sehenswürdigkeiten anschauen soll, dann halt heute rein in den TouristenRummel und ab zum Times Square.

Gesagt getan ... allerdings trödelte ich ziemlich rum und musste mich regelrecht zwingen, mit den Massen zu schwimmen.
Letztlich aber dann doch: TIMES SQUARE 
... die Fotos kommen noch .... (s. Link unten)
Die Freude allerdings kam nicht ... einfach zu viel Menschen.

Also nix wie weg, vorbei an den Musicalplakaten, mit gesenktem Kopf, hastig 
... aber das merkt hier niemand, hier haben es ja alle eilig.
So verkrümelte ich mich in ein Café, in einer Seitenstrasse.
Mit richtigen Menschen, New Yorkern, keine Touris.

Ein prima Laden ... OHNE MUSIK !!!
DAS war mir doch jetzt noch wichtig!

Also nochmals: 
Das mach ich nu ja echt selten!
Einen Laden empfehlen ... aber diesen schon!

UT 47 
358 West 47th 

LINK ZUR WEB SIDE VON UT 47



Bin heute entgegen der Intervention in Form einer nächtlichen, griechischen Tragödie, 

doch wieder 10 Km gelaufen ...   ... Ja, nu ... !!

* wer von Euch das war? Das Geheimnis gebe ich nicht preis ... niemals !!

LINK zu den Photos von heute ...

Geschrieben, völlig nüchtern, 9. Mai 2018 in NYC im Café UT 47 im kleine aber feinen Garten.

Montag, 7. Mai 2018

Walking


Heute bin ich gelaufen, vom Hotel in der Jane Street, den Hudson entlang bis an die Südspitze von Manhattan, dann wieder nach Norden, den Broadway entlang bis Höhe Washington Square Park und dann wieder quer durch Manhattan bis ins Hotel. Das sind so rund 10 Km New York pur.

Was macht den Charme dieser Stadt aus? Wieder fühle ich mich als sei ich schon immer hier gewesen, wie hier aufgewachsen.  New York ist sehr europäisch und dann auch wieder gar nicht. Diese Stadt hat jede Nationalität jede Ethnie. Es macht gar nichts, wenn mein Englisch mittelmässig ist, hier traue ich mich einfach zu sprechen, weil Viele noch schlechter sprechen.
Aber sie verstehen sich und verstehen mich. Ein ehrliches Lächeln mit dieser hauchfeinen Note aus Einsamkeit, Lebensfreude und Stolz hilft dabei. „Be yourself no matter what they say“ 

Ich kanns auch simpler sagen: 'n Haufen neurotische Egozentriker hier, aber die meisten haben ein Herz. Da falle ich gar nicht gross auf.

Heute, ganz im Süden, Ecke Broadway und Battery Park. Fünf schwer bewaffnete Polizisten, Maschinengewehr, Helm, dicke schusssichere Westen. Ein martialischer Anblick, sie verzogen keine Mine … bis …  ja bis eine Mama ihren vielleicht 6 Jährigen zu ihnen brachte, brav fragte ob sie ein Foto machen dürfe. 
Die fünf humorlosen Terminators wurden urplötzlich zu prima Familienvätern, verantwortungsbewussten Onkels und grossen Brüdern. Der Kleine strahlte vor Glück und die Männer hoben ihn auf ihre Schultern. 
Nicht nur Mama knipste, alle Umstehenden machten Bilder. Einer nahm den Jungen auf den Arm und brachte ihn wieder zu Mama. 

Der Mann bei „Soups `n`Burgers“ wo ich zu Mittag esse, hat nur noch einen Platz am Tresen für mich. Er musste dort ausserdem die Ausserhausbestellungen einpacken. So ass ich neben den Papptüten voll Bestellungen und er wuselte um mich rum. „Sorry“ sagte er immer wieder, es war ihm anzusehen, wie unangenehm es ihm war mich beim Essen zu stören. Als der Lieferjunge kam und die Tüten holte, stellte er mir wortlos einen Kafi hin, den ich nicht bestellt hatte. Meinen fragenden Blick beantwortete er mit einem schiefen Grinsen und einer wegwerfendenden Geste.

In Greenwich Village stürzte ein kleines Mädchen mit dem Tretroller auf dem Trottoir. Die ganze Familie war sofort um sie herum und versperrte den Bürgersteig. Ich konnte warten, denn auf mich wartet ja im Moment niemand. Mama machte 1. Hilfe für ein aufgeschlagenes Knie und Papa lotste mich freundlich mit ausladender Geste um die Gruppe herum, schob Onkels und Tanten sanft zur Seite.

Nix zu spüren von „Amerika First“ … scheint ein ganz privater Spleen von Trump und Kumpanen zu sein.

Deutlich heben sich die weissen Betonklötze an jeder erdenklichen Stelle, die zu einem Anschlag mit Auto geeignet wären, ab, von meinem letzten Besuch. An jeder Ecke Polizei, Sicherheitskräfte und Ordner. Angst scheint niemand zu haben, aber sie passen auf.
Klar gehts dabei auch um Geld, denn New York ist Touristenstadt. Aber dies wäre nicht New York, wenn jemand Panik hätte.

Ground Zero ist beeindruckend. Zwei gigantische schwarze Löcher in die Wasser hinabstürzt um dann in einem noch tieferen Loch ins scheinbar Bodenlose zu fallen. Mir fiel der Styx ein, jener Fluss, der in der griechischen Mythologie die Grenze zwischen unserer und der Welt der Toten, dem Hades, zieht. Ich finde es hat Stil, aus einem Trauma ein wohlübersetztes Monument zu machen, das erinnert ohne zu verklären. Gebaute Psychologie.

Last not Least die Kellnerin im Café, wie sie zustimmend mit den Augen rollt, als ich sage, dass ich das Bezahlsystem* ein wenig „difficult“ finde. Wir müssen beide lachen.

Im FotoBlog gibts ein paar Fotos vom Tag.
"10 Km Big Apple" hier ist der > LINK < oder oben in der Menüleiste unter "PHOTO BLOG"


* Man muss zu ihr hingehen, dann tippt sie ein was man bestellt hatte, dann geht sie mit dem Zettel zur Kasse, wo sie eine weitere Kellnerin bittet zu kassieren, die dann wieder ihr das Wechselgeld gibt, dass sie mir dann aushändigt.

Sonntag, 6. Mai 2018

Arriving

Wohlbehalten angekommen in New York City
Arrived safely in New York City

Heute für Euch:  EIN GEWINNSPIEL 
Today for You:   A SWEPSTAKE

Ein Photo mit 4 verborgenen Objekten
A photo with 4 hidden objects
 🔍 klick ins Bild zum vergrössern / clic the pic to enlarge
Wer sie alle 4 findet und Glück hat, bekommt eine Flasche Kentucky Straight Bourbon Whiskey.
Unter allen richtigen Einsendern wird 1 Gewinner ausgelost.*
One who find  them all 4 and have luck, gets a bottle of Kentucky Straight Bourbon Whiskey.
Among all correct submitters will be select 1 winner.*

Einsendeschluss 6. Sept. 2018
Deadline Sept. 6. 2018

Zur Teilnahme eMail an foftain@bluewin.ch
To submit, use e-mail to foftain@bluewin.ch
Tip: Benutze Dein Desktop
Advice: Use Your desktop 
Viel Glück
Good luck

*Die Auslosung ist geheim, zufällig, unzuverlässig, willkürlich aber wohlwollend.
Wenn keine Einsendung richtig ist, trinke ich den Whiskey selber.

*The draw is secret, accidental, unreliable, arbitrary but benevolent.
If there will be no correct submit, I`ll drink the whiskey by myself.
Für rechtliche Informationen lies den:
for legal information read the:
Disclaimer

Concept of post was created in Lucerne 3. of April 2018
Edited and posted in NYC  "The Jane Hotel" at the 5. of May 2018





Samstag, 5. Mai 2018

Starting (early)

... wie immer so, warten bei Starbucks

Liebe Leute vom Reisebüro BRINGMICHWEG (Name geändert)
liebe Sandra (Name nicht geändert)
Ich mag Euch ja gar nicht gern einen Vorwurf machen.
Leider komme ich nicht drum rum.
Drei Stunden vor Abflug sollte ich einchecken, habt Ihr mir gesagt,  
wegen USA und überhaupt.
Also bin ich 5:20 aufgestanden, damit ich noch einen Kafi trinken kann 
bevor mein Bus zum Bahnhof geht.
Am Flughafen dann, ich total bereit einzuchecken, ziemlich genau 3 Std
vor Abflug.
KEIN Iberia-Check-In weit und breit. 
Die Tante an der Info ...
(leicht übernächtigt, leicht ungehalten, kurz angebunden): 
"... erst 2 Std vor Abflug!"

FUCK!!!
... jetzt sitz ich im Starbucks und warte, trinke ein Café Latte für 7.10 CHF

Ich erwarte 2 Sachen von Euch 
(nein, nicht 3 ... nur falls Euch der Unterschied zw. 2 und 3 immer noch entgeht)
1. Bitte stimmt Euch mit den Airlines ab WANN genau eingecheckt wird.
2. Kafi  im Wert von 7.10 CHF (ich bevorzuge den Fairtrade aus der Migros)

So weit, so blöd!
Herzlichst
Foftain


5.5. 2018 um 9:05h Zürich Airport

Sonntag, 8. April 2018

Sleeping

Eigentlich bin ich ein Sofakind.
Ich erinnere mich noch an die erste elterliche Wohnung.
Die Schese
Das grösste Zimmer hatte meine Grossmutter. In der Mitte ein hölzerner Esstisch, links der kohlebetriebene Herd, daneben der Küchenschrank, der heute mein Küchenschrank ist und rechts ihr Bett. 
In diesem Zimmer fand das Familienleben statt. Auf dem Herd kochte meine Grossmutter das Essen für die Familie, jedenfalls in jenen Jahren, als Mutter und Vater beide zur Arbeit gingen. Es riecht nach Kohlen oder verbrennendem Holz, nach siedendem Fleisch und Kohlwasser in meiner Erinnerung. 
Hier spielten wir Kinder und hier wurde gegessen.*
Es gab ein Wohnzimmer, das aber nur am Abend genutzt wurde, zum Ausruhen, Musik hören oder wenn Besuch kam. Einen Fernseher gab es damals nicht, auch kein Telefon, nur ein altes Radio, dass damals noch gar nicht sooo alt war. 
Eine kleine Küche , in der niemand kochte, in der es aber, am Morgen das Frühstück gab. Hier versuchte meine Mutter mit wachsender Verzweiflung, über Jahre, die „Zitronenrolle“, die sie in einem ihrer Backbücher gefunden hatte, nachzumachen. 
Ausgekittete Einschlagspuren von Kochutensilien in der Küchentüre waren Indizien für einen ihrer Wutausbrüche, wenn das „verdammte Scheissding“ (Originalton) mal wieder gebrochen war.

Es gab ausserdem noch ein Badezimmer mit einem einzigen Waschbecken und einer Wanne, einem ebenfalls kohlebefeuerten Heizkessel fürs Warmwasser und einem Klo.

Und natürlich gab es ein Schlafzimmer für die Eltern, den Bruder und mich. 
Ja alle vier in einem Zimmer!
Mein Kinderbett stand rechts hinter der Türe, das meines Bruders grad nebendran.
In der Mitte des Raums, das Doppelbett der Eltern und links neben der Türe der Kleiderschrank.
An dessen goldenen Schlüsseln hingen tanggrüne Bommeln, die mich ewigs faszinierten.

Mein Kinderbett hatte ein Gitter, vermutlich, damit ich nicht abhauen konnte. 
Es war dunkelbraun, hochglanzlackiert und ich pulte diesen Lack, wenn ich nicht schlafen konnte, ab. 
Irgendwo hatte ich eine Schwachstelle gefunden, eine Blase im Anstrich oder ein Riss, den ich nun Nacht für Nacht erweiterte. Ich konnte in diesem Bett nicht wirklich gut schlafen. Vielleicht auch weil die permanente elterliche Präsenz oder einfach nur das Schnarchen meines Vaters mich störte. 
Ich glaub ich hasste dieses Bett ... aber das ist schon sehr lange her.

Die Erinnerungen sind natürlich lückenhaft, die kleinkindliche Amnesie lässt eigentlich nicht mehr als ein paar Bohrproben zurück. Aber, soweit ich mich erinnere, zog ich, direkt vom dem verdammten Kinderbett, auf ein Sofa um, zeitgleich mit dem Umzug unserer Familie. 
Meine Eltern hatten in einem Dorf, ein wenig ausserhalb, ein Haus gebaut. 
Aber dieses Sofa war nicht mal ein Sofa, sondern eher das, was die Franzosen einen „Langen Stuhl“ nennen, eine Chaiselongue … eingedeutscht und abgekürzt, eine Schese [ˈʃeːzə]

So schlief ich also in den folgenden Jahren auf diesem Sofa, dieser Schese, bevor ich dann, irgendwann in den 70ern mein erstes Bett bekam. Aber glücklich war ich nicht mit diesem Bett. Mir fehlte mein Sofa, mit dem hart gepolsterten Kopfteil. Statt dessen gabs jetzt ein Kopfkissen, dass ich mir erst zurechtpuffen musste bevor es einigermassen bequem war. 

Kaum hatte ich das elterliche Haus verlassen, lebte im Norden auf einer Insel, baute ich mir selber ein Bett. Damals bauten man Hochbetten, vermutlich, weil in den WGs, die ich kannte jeder nur ein Zimmer hatte und mit dem Platz haushalten musste. Meist war unter dem Bett dann der Arbeitsplatz, der Schreibtisch und Bücherregale.
Nicht so bei mir! Unter meinem Hochbett, das ich ringsum mit weissen Tüchern abhängte, baute ich aus Matratzen und Decken eine Art von Beduinenzelt, mit einem kleinen Tischen in der Mitte, fürs Bier und den Aschenbecher, die auf den Matratzen dauernd umkippten.
Dort sass ich mit den Freunden und wir soffen und qualmten und quasselten durch die Nächte. 
Die Freunde nannten mein Zelt nur "Die Frauenfalle".
Ich gebe zu, es war ausgezeichnet für ein Tête-à-Tête geeignet und ich verdanke der heimeligen, geschützen Atmosphäre sicher einige ziemlich prima Nächte.
Aber letztlich gingen doch weit weniger Frauen in die "Falle", als ich mir gewünscht hätte und die Gerüchte, die ich damals gern durch lächelndes Schweigen befeuerte, besagten.
Geschlafen habe ich oben in dem Hochbett eigentlich nie, ich kuschelte mich in mein Zelt, deckte mich zu, mit dem was grad da war ... aber in dem Alter hab ich eh nie Mühe mit schlafen.

Eigentlich hab ich mir das Schlafen wohl bei unseren Hunden und Katzen abgeguckt. Die suchen sich einfach irgendein gemütliches Plätzen, legen sich hin und schlafen. Fertig.
So schlafe ich bis heute nur ungern in Betten. Mir scheint immer als "müsse" ich schlafen, wenn ich mich in ein Bett lege. Das nervt und hält mich wach.
Lieber liege ich auf meinem Sofa, da "darf" ich schlafen.
Aber ich darf auch wach sein, essen, trinken, in der Nase bohren, fernsehgucken, rumspinnen, Geschichten schreiben oder was man eben sonst so alles auf einem Sofa machen kann.


Heute mein Lieblingssofa, tief in der Nacht, ich glücklich schlaflos, die Bettdecke um die Schultern gehängt, im Vorbeigehen geknipst.


Wer jetzt sich noch schlaflos in seinem Bett rumwälzt, für den habe ich somit einen guten Rat.
Der kluge Leser ahnt welchen, der weniger kluge wälzt weiter.

Gute Nacht ⭐️🌙 


* womit wohl auch meine Liebe zu WohnKüchen erklärt ist