Donnerstag, 15. Juni 2017

Doging

Ich finde ja, Kinder sollten mit Hunden zusammen aufwachsen.

Gut … na ja … ich finde auch Kinder sollten nicht in Hochhäusern aufwachsen, sondern irgendwo im Wald oder der Steppe oder den Bergen oder am Wasser … egal wo … Hauptsache nicht in Betonkästen.




Was ich eigentlich hier erzählen wollte ist, dass ich mir als Kind von unserem Hund (so einer wie oben im Bild) `ne Menge nützliches Zeug abgeguckt hab.
Noch heute neige ich dazu, wenn mich irgendwas langweilt, den Blick abzuwenden und schaue dann, wenn immer möglich, nach draussen … jedes Blatt, dass sich im Wind bewegt ist spannender als so einige selbstverliebte, inkompetente Zeitgenossen.

Wenn ich was rieche, dann schnüffle ich regelrecht, ziehe die Luft ruckweise ein, blase sie heftig wieder aus und und drehe den Kopf  in alle Richtungen, bis ich weiss was es ist.

Oder … ich leg mich einfach irgendwo hin, und schlafe. 
Nebenbei bemerkt … ich schlafe nie so tief und entspannt wie neben einem Hund.
Die wissen wie man schläft … da kann ihnen niemand was vormachen.

Was das Essen betrifft, hab ich auch die hündischen Gewohnheiten übernommen … wenn was da ist, dann esse ich es, wenn nix da ist, dann esse ich halt nicht.
Das Problem ist, dass ich den Kühlschrank aufmachen kann, eine Fähigkeit, um die mich jeder Hund beneidet. 
Es kann ihnen also nicht passieren, dass sie … und JA!! … wie mir manchmal … den Kühlschrank leerfressen.

Natürlich, wenn man sich wie`n Hund benimmt, wird man schnell mal auch wie einer behandelt. 
Zum Glück bin ich jedoch bissig genug mich zu wehren.
Eine ehemalige Freundin hat sich immer aufgeregt, wenn ich den Hunden "Hallo" sagte und nicht den Herrchen und Frauchen ...

... ach ... egal!
… ich schweife ab … 
... in dieser Geschichte gehts um was ganz Anderes:

Es war heute so etwa 04:00h am Morgen, als mir die Sicherung rausgeflogen … also … ich meine die draussen im Treppenhaus im Sicherungskasten, vor dem meine Nachbarn ganz geschickt ihren Schuhschrank aufgebaut haben (*knurrt*)

Es ist Feiertag und alle ausser mir schliefen noch. So stand ich eine Weile in Unterwäsche in meiner halb geöffneten Etagentüre , kratzte mich am Kopf und versuchte zu entscheiden, ob ich mal mit Schuhschrankrücken anfange.
Da meine Nachbarnsfrau aber zu hysterischen Schreiereien neigt und ich das um die Zeit noch nicht vertrage, klappte ich die Türe wieder zu und die Sicherung blieb ungewechselt.

Den Kafi hatte ich zum Glück schon fertig, als der Strom wegging. (*wedel*)
So trollte ich mich mit meiner Tasse vor den Computer und wollte ein wenig surfen und Mails lesen und so … … 
… DICKES FETTES HÜHNERKACKA … 
nix war damit … 
der Router war, na klar!!  … 
auch ohne Strom!

Ich war abgeschnitten vom Internet, kein Fernseher, kein Radio, kein Telefon …
Herr Trump, Theresa May und das brennende Hochhaus in London waren plötzlich sehr weit weg.
Etwas umfing mich wie eine warme, schützende Hülle … etwas Liebevolles, Erholsames, Gnädiges … 

Draussen zeigte das allererste Tageslicht ganz schwach die Silhouette der Berge.
Es war still … ein paar Vögel quatschten miteinander im Baum hinterm Haus über Dies und Das.
So weit ich das verstand, gings um irgendwelche aerodynamische Details … 

Weit weg dröhnte der Motor eines Mofas … so schwach, dass die Vögel es übertönten, ich war also doch nicht der einzige Mensch an diesem frühen Morgen.

Ich setzte mich in den Liegestuhl vor der Balkontüre.
War gefesselt vom aufsteigenden Tag 
… alles life und in Echtzeit …

Ich kuschelte mich in das wohlige Nichtwissen, das Losgelöste vom Treiben der Welt jenseits vom Baum unten im Garten, es duftete nach Erde …

... nach einer Weile war mein rechter Arm irgendwie im Liegestuhlgestell eingekeilt. Er war, genau wie ich, eingeschlafen. Also zog ich ihn träge an mich, legte ihn mir auf die Brust, merkte dabei, dass ich auf mein T-Shirt gesabbert hatte und dachte an unseren Hund.

Jetzt wirds aber Zeit den Schuhschrank zu schieben und die Sicherung zu wechseln.
Zeit auch für mein Fresserchen und ich sollte mal Gassi gehen.



„Wuff … „



P.S. Mein chinesisches Sternzeichen ist ...?
Wer`s rauskriegt, der bekommt wahlweise `ne Dose Bier oder `ne Dose ...
... und Klugscheisser kriegen gar nix!






Luzern, Donnerstag, 15. Juni

Samstag, 3. Juni 2017

Amazing

Warum ich reise und was ich suche … da draussen allein und dann noch grad in der Wüste, da is doch nix!

Dust Devil in der Wüste von Nevada
Eigentlich hat alles vor 35 Jahren auf einer Sanddüne, auf einer Insel in der Nordsee begonnen.

Ich hatte gekifft und gesoffen und war offenbar einfach losgelaufen. Irgendwo legte ich mich hin oder fiel um.
Das Glück war auf meiner Seite, denn es war Sommer und ich schlief wohlbehütet und erwachte tief in der Nacht.
Auf dem Rücken liegend schaute ich in den Sternenhimmel und war überwältigt, die Tränen kamen mir ich heulte vor Ergriffen sein.
Mit meinem vergifteten Hirn konnte ich nicht mehr so recht das Oben und Unten unterscheiden und in einer unvermittelten Täuschung, schien mir, als sei der Nachthimmel unten und ich würde jetzt in diese schwarze Unendlichkeit hinabstürzen. Ich schrie vor Angst und Schrecken, suchte mit den Händen nach einem Halt, 

fand nur ein Büschel Strandhafer, den ich in meiner Panik ausrisse. Der Sand streute über mein Gesicht, 
in meine Nase und Mund und Augen. 
Das brachte mich im allerwahrsten Sinne des Wortes wieder auf die Erde.

Von dieser Nacht an war ich lieber Draussen als Drinnen. Ich wollte wandern um die Einsamkeit zu suchen, die Ruhe, den Himmel, die Sonne, den Mond und … natürlich … die Sterne.

„Von der Natur lernen“ da ist so ein dämlicher Ausdruck, der in mir lange Jahre bestenfalls Verachtung erzeugte. Denn ich wehrte mich gegen das Glück draussen zu sein, verbrachte meine Zeit lieber mit Frauen, Fressen, Fernsehen und Arbeit und Nichtstun.

Das änderte sich vor ein paar Jahren, an einem der letzten heissen Tage eines frühen Herbstes. Ich machte mich auf, zu einer Wanderung am Doubs entlang
. Mein Lunchpäckchen hatte ich daheim vergessen und so bekam ich nach ein paar Stunden Laufen Hunger und mir wurde etwas schwindlig.
Aber wie das im Herbst so ist, überall stand oder hing was zum Essen an den Bäumen und Büschen. Besonders die prallen, schwarzen Brombeeren gefielen mir. Mit ein paar Kratzern an den Fingern und einer Handvoll Beeren bin ich zum Wasser, hab sie gewaschen und gegessen. Nach nur ein paar Minuten war all der Schwindel weg und die Müdigkeit und der Hunger sowieso.
Niemand war zu sehen, der Doubs wirkte verführerisch und erfrischend. Ich zog mir die Kleider aus und liess mich in den Fluss gleiten. Es war so herrlich kühl und duftete nach Wasser. Ich tauchte unter, genoss die paar Sekunden die Unterwassergeräusche, die sich wie schwere Würfel auf einer mit Filz bezogenen Steinplatte anhörten. Tauche wieder auf und sah, dass ich abgetrieben war.
Gegen die Strömung schwimmen ging nicht so recht, kostete enorme Kraft. Also klettere ich zwischen ein paar Büschen an Land und ging nackt zu meinen Kleidern zurück.

Lange lag ich im Gras am Ufer, hörte dem Fluss zu. Ich dachte Nichts, ich wollte Nichts.
… ein paar Augenblicke in einer Ewigkeit verbunden mit der Realität jenseits von Geld und Stress und anderen repressiven Strukturen.


In diesen Momenten wusste ich, dass ich reisen wollte.

Ein anderes Mal, dass ich so aufging in Etwas war irgendwo in der Wüste von Nevada.
Auf einer dieser langen, graden Strassen, die sich am Horizont verlieren. Links tanzten zwei Dust Devils miteinander und vor mir lag ein dunkeles Gebirge, zur anderen Seite erstreckte sich so weit ich schauen konnte die Wüste und über mir der endlose Himmel.

Ich stieg aus dem Auto, setzte mich in seinen Schatten in den Sand und lauschte. 

Keine Zivilisationsgeräusche, nur der Wind, die Hitze und die Kargheit und Einsamkeit. So muss sich wohl ein Gläubiger in einer Kirche, Moschee oder Synagoge fühlen. 
Ich war so andächtig, dass ich erst ganz still wurde, fast den Atem anhielt. Dann musste ich plötzlich laut lachen ob des geschäftigen Treibens der Menschlein ... dann liefen mir ... mal wieder ... die Tränen.
Sie kamen mir alle vor wie Kinder, die einen von diesen SpielzeugLäden zu Weihnachten bekommen haben und sich nun gegenseitig mit ernsten Gesichtern irgendwelche Dinge verkaufen.

Das Reisen verändert meine Wahrnehmung der Welt ...
Das ist wohl was ich suche ...
... letztlich wohl mich selber ... nehme ich an.



Luzern, 3. Juni 2017

Montag, 29. Mai 2017

Moaning



Im Heini


Das ist in Luzern klar …
... "`s Heini" ist eine Kaffeehauskette in der Zentralschweiz.

Ich sitze also da, nach meinem Termin im Reisebüro mit meinem Milchkafi.

... nebendran offenbar Mutter und Tocher
... die Tochter lamentiert laut über den Ex
... zu wenig kommunikativ sei er gewesen
... und keinen Ehrgeiz habe er gehabt
... und das Eine … na, ja … so, so - eben.

Mama reagiert mit einem offensichtlich gespieltem Verständnis
die Offenheit übers Sexuelle ist ihr wohl peinlich
auch, dass das Töchterchen so laut redet.
"ja, ja" … sagt Mama hastig.

"… und der Neue!!" schwärmt das Töchterlein...
... er sei jetzt schon „am cho“ 
… nein ... nicht etwa im Orgasmus begriffen, der Ergötzte ist auf der Karriereleiter unterwegs.(Anm. d. Autors)
... und das Eine … oGott … „weisch „… sie wirft den Kopf samt Haaren zurück.
Mama: „ja, ja!“

Das Töchterchen schwadroniert lauthals weiter:
Er … also ER 
(der Schwertträger, der Göttinnenbegatter, der Audifahrer …)
unterstütze sie auch bei ihren Projekten.
„… un weisch … mine Projekte“
(Übersetzung: … und weisst Du, meine Projekte)
"… ich mach jetzt einen Film über die, die nicht akzeptiert werden in der Gesellschaft
… der Eine hat nur `n halben Arm
… die Andere hat Multiple Sklerose
… oder der Kleinwüchsige"

Schau an, Töchterlein ist engagiert ...
… etwa so engagiert wie ein chinesischer Tourist mit iPhone-Kamera für die Artenvielfalt im Yellowstone National Park.

Sie hat meinen Blick gesehen. 
… ich vermute er verheisst nix Gutes.
Sie guckt zurück, mit verkniffene Augen ...
um ihren Mund herum sehe ich eine Aura von sowas wie grobem Meersalz.

Ich grinse sie frech an ...
... sie kann`s nicht.

Catching

ICH BIN WOHL KRANK !?

Symptome:
Immer öfter mache ich die Zimmertüre zu, den Fernseher oder/und das Laptop aus. Die Balkontüre zum Garten hin steht dann weit offen, ich, auf dem Sofa, schaue mit verklärtem Blick in die Ferne.

Immer öfter stehe vor meiner Bürozimmerwand, male wilde Zeichen und Symbole, Daten und Pfeile daran, mit Bleistift und Buntstiften und Kreide, radiere, kratze wieder weg, zeichne neu, radiere wieder ... stundenlang, wie in Trance.

Immer öfter, laufe ich durch den Wald, rede mit mir selber ... laut, manchmal lamentierend, zunehmend manisch, wild gestikulierend, unterbrochen von hysterischem Lachen oder hemmungslosem Schluchzen. 

Immer öfter lehne ich mich an meinen Lieblingsbaum, erörtere mit ihm das Spannungsfeld zwischen Sehnsüchten und Sachzwängen. (nebenbei bemerkt, sind unsere Ansichten weniger different als ich zuerst vermutet habe)

Immer wieder schlafe ich schlecht, träume viel und wüst, erwache sehr früh, heute bin ich seit 4:00h wach, sitze grübelnd über dem Kafi bis er kalt ist,  den Kopf auf die Hände gestützt. 

Hab mich wohl doch infiziert, obwohl ich mir immer die Hände wasche, wenn ich einen Atlas angefasst habe und lutsche bewusst nicht an Landkarten, Navigationsbestecken  oder Globen rum.

Plerumque Julesvernii ... der Gewöhnliche Reisevirus


Diagnose:
Reisekrankheit mit Fieber !!!


Therapie:
HEUTE: Besuch im Reisebüro



Vermutlich hab ich mir hier angesteckt! ... MEINE PLANUNGSECKE






Luzern, 29. Mai 2017






Montag, 22. Mai 2017

Nursing

The end of the parents' house 

Morgen fahre ich meine Mutter zum ersten Mal im Altenheim besuchen:

She goes to the nursing home
`m sitting here
between the end of work
and to start to go home
to go to a strange home
the left hand with a glas of whisky
the right one on the keyboard
thinking … dreaming



Luzern, 19. Mai 2017

Dienstag, 9. Mai 2017

GETTING



Wer weiss, was die Leute so bewegt, zu ihren Entscheidungen!
Mir kann es nur recht sein und letztlich ist es mir auch wurscht.

JEDENFALLS 
man hat mir meinen unbezahlten Urlaub genehmigt.
Vier Monate für mein Lieblingskind 
UP `N` DOWN `N`AROUND


Jetzt darf ich und jetzt muss ich anfangen konkret zu planen.
Die Zeit des freien Assoziierens über meine Reiseroute 
muss sich in den kommenden Monaten in eine Phase der Entscheidungen wandeln. 
Im Sommer möchte ich alle Fixpunkte gesetzt haben um im Herbst dann die Tickets zu kaufen, 
die SERVAS - Hosts anzumorsen und mich bei den Freunden anzumelden.

ALSO ES GEHT LOS
ROCK `N` ROLL

Luzern, Dienstag 9. Mai 2017

Samstag, 6. Mai 2017

LONGING

Noch genau ein Jahr!
Die Vorbereitungen laufen langsam an.

 kraft = zeit x weg


Luzern, Samstag 5. Mai 2017

Donnerstag, 13. April 2017

CLAMORING



Ich will das gar nicht so sehr in den Vordergrund drängen, meine Art Geschichten zu schreiben. 
Ich schreibe einfach, so wie andere vielleicht ihren Rasen mähen.
Nun kann man den Rasen auf die eine oder andere Art und Weise mähen.
So muss ich eben auch sagen, dass in einem Teil der Artikel in diesem Blog sich Realität und Imagination mischen.
Das genau Mischungsverhältnis muss jedoch, vielleicht nachvollziehbarer Weise, das  Werksgeheimnis dieses Schreiberlings bleiben.

So kann der aufgeweckte Leser sich auf die Suche machen nach dem wahren Kern der Erzählung, was ich persönlich als die zweitschlauste Intention erachte, oder … und das scheint mir, je nach Tages-  bzw. Charakterdisposition … das Verbindlichere zwischen uns, er versucht seinen Sinnen zu folgen und zu erschnüffeln, was diese Mischung für ein Aroma für ihn bereit hält.

Die folgende Geschichte hat nun weniger vom süsslich-ätherischen Duft der Einbildung und dafür mehr den scharf-bitteren Geschmack des Tatsächlichen.

Ohne all zu weit ausholen zu wollen, scheint es mir jedoch wichtig, nur um das volle Bouquet auf der Palette zu haben, hier kurz anzudeuten was davor geschah.

Ich solle etwas abnehmen hatte mir mein Doc gesagt, wegen der Blutfettwerte und den Gefässen und wegen des Altwerdens. Nicht, das ich je täte, was mir jemand sagt, wenn ich es nicht als sinnvoll erachte, es sei denn ich muss davon meinen Lebensunterhalt bestreiten, habe ich diesmal doch genickt und „ja“ gesagt und mich dran gemacht, dem zu folgen.

So versuche ich mich regelmässig zu bewegen. Da ich jedoch jede Form von Sport als höchst albern empfinde, besonders die Radfahrer kommen mir immer vor, wie diese Spielzeug-Stoffaffen auf kleinen Drahteseln, die batteriebetrieben hastig strampeln ohne je wohin zu kommen ... von diesen Joggern will ich gar nicht erst reden.

So bleibt nicht viel ausser Laufen … und ich meine nicht rennen … denn ich habs ja nicht eilig, ich meine Gehen.
Das klappt nicht jeden Tag, wegen des Jobs und manchmal klappt es auch nicht, weil ich den Arsch nicht vom Sofa bringe. 
Aber da ich mich nach dem Gehen besser fühle, irgendwie stolz und weniger angetrieben bin als sonst, hat mein Reptilienhirn inzwischen auf das Belohnungssystem umgeschaltet und ich geniesse die regelmässigen Ausflüge.

So kam ich also letzte Woche von einem meiner Gänge aus dem Stadtwald zurück ...

Müde und zufrieden und etwas ausser Puste stehe ich vor der Haustüre.
Ich hatte zudem Hunger und meine Lust wäre eine Portion Reis gewesen. Allerdings versuche ich dem Übergewicht nicht nur durch Bewegung sondern auch durch den Verzicht auf Kohlehydrate zu entkommen. Also Pustekuchen mit Reis!

… ich komme also aus dem Stadtwald zurück, heftig schnaufend und höre schon draussen, vor dem Haus, lautes Gerede. 
Im Eingangsbereich, vor der Etagentüre der uralten malaiische Frau im Erdgeschoss, brüllen sich grad Ebendiese und ihr temperamentvolle spanische Nachbarin an.
Die Spanierin kann, ausser Spanisch, so einigermassen deutsch, die alte Malaiin kann jedoch nur malaiisch.

Die beiden, als sie mich sehen, zerren mich mit vereinter Kraft in die Wohnung der Alten und schwatzen in all ihnen zur Verfügung stehenden Sprachen auf mich ein und zeigen und deuten und halten mir ein Packet Reis vor die Nase.

Nach und nach verstehe ich, dass es drum geht eine Portion Reis zu kochen, aber der Herd nicht mehr am Stromnetz hängt, weil die alte Dame mehrfach vergessen hat, die Kochplatten wieder abzustellen und die Gefahr besteht, dass sie uns das Haus abfackelt.
Offenbar glauben die beiden, ich könnte und würde den Herd wieder anschliessen, damit die Alte sich Reis kochen kann.

Natürlich werde ich das nicht tun, ebenso natürlich ist jedoch, dass das den Frauen mit Bordmitteln nicht klar zu machen ist.
Ich verabschiede mich also, gehe in meine Wohnung, setze Reis im Reiskocher auf, übersetze folgenden Satz mit dem Translator auf Malaiisch und Spanisch.
 „Ich werde Ihren Herd nicht anschliessen. Ich koche Ihnen eine Portion Reis“ 

Dann mit den ausgedruckten Texten wieder ab ins Erdgeschoss.
Die Alte zetert noch immer mit der Spanierin, die zetert auch noch immer. 
Ich drücke Ihnen je einen Zettel in die Hand. Beide lesen und gucken mich fragend an, einen Moment ist mal Ruhe, dann geht das Gekeife wieder los.

O.K. … ich nehme Ihnen die Zettel wieder weg und tausche sie aus. 
SORRY! ... mein Fehler!!
Beide lesen wieder und gucken wieder fragend.

Ich mache die internationale Gebärde für „Essen“ und warte auf sowas wie das internationale Zeichen für „Danke“ oder ein Lächeln oder sonstwas Positives.

Stattdessen schreien nun beide mich an, als habe ich Ihnen unsittliche Anträge gemacht oder sei sonst ein Schwein. Also nix wie weg, in der Regel ist mir schon eine keifende Frau zu viel … aber das hier … Foftain kratzt die Kurve!

Den fertigen Reis essen ich selber, muss grinsen dabei … ob der seltsamen Winkelzüge des Lebens … und wie ich trotz der LowCarb Ernährungsumstellung zu meiner ersehnten Schüssel Reis kam, wegen einer vergesslichen uralten Malaiin und einer wilden Spanierin.

Für was reise ich eigentlich um die Welt?


Luzern, Donnerstag, 13. April 2017

Montag, 10. April 2017

CLEARING UP


1965


Wir lösen zur Zeit unser Elternhaus auf.

In mein Leben fliesst eine bittersüsse Note und das Strandgut von über 100 Jahren Familiengeschichte, das beim Räumen der Schränke aufgedeckt wird.

Ramsch und Relikte, Rettenswertes und Redundantes wie aus einem Füllhorn überschwemmen mich. Von der Schuldverschreibung meines Grossvaters, den ich nie kannte, bis zum xt-gleichen Foto von irgendwelchen Kegeltouren meines Vaters aus den 70ern.

Entscheidungen müssen getroffen werden, was von alle dem Gesammelten, Vergammelten und ehemals für Wert befundenen nun behalten wird, was Teil der Geschichte bleibt und was davon auf die Müllkippe oder in den Reisswolf gehört.



Das Elternhaus werde ich nicht wieder sehen, denke ich.
Trinke noch ein Bier auf dem Friedhof, am Grab des Vaters, kippe die Hälfte auf die Erde über der Urne. 
„Prost, alter Mann, das ist wohl unser letztes gemeinsames Bier“.

Obwohl ich vor über 40 Jahren fort ging von dort, fällt mir der endgültige Abschied überraschend schwer.
Ein paar Photos nehme ich mit, die meine Mutter nicht möchte, rette ein paar Bücher vor dem Container, eine alte kaputte Kamera, an die ich mich aus Kindertagen erinnere, eine Laubsägearbeit meines Vaters.

Fahre nach drei Tagen mit etwas aufgeschürfter Seele wieder heim und arrangiere das Mitgenommene in meiner eigenen Wohnung, die dereinst ebenso geräumt werden wird, wie das Elternhaus.

Die Dinge werden magisch durch die Erinnerungen, mit denen sie verbunden sind. 
Die Erinnerungen nähren sich magisch aus den Dingen, mit denen sie verbunden sind.
So haben Dinge und Erinnerungen eine Macht in uns.

Während ich so sitze und denke und arrangiere, beginne ich in meinen eigenen Erinnerungen zu wühlen, krame Dies und Das hervor. Dinge die mit meiner Vergangenheit verbunden sind, nachdem ich das Elternhaus verliess. Dinge von denen kaum jemand weiss und die vielleicht nie jemand erfahren wird.

So fällt mir eine alte Zeitung in die Hände, eine „Frankfurter Rundschau“ aus 2008.
Nie habe ich jemandem erzählt, dass ich dort einen Artikel veröffentlichte. Einen Artikel, der nicht treffender die Verhältnisse in ebendiesem Elternhaus beschreiben könnte, einige Jahre, bevor ich von dort fort ging 
… vor über 40 Jahren:


Samstag 5. April 2008


Revolution

Ich erinnere mich an Samstagabende, im weissen Dralonhemd, frisch gebadet, mit meinen Eltern vor dem Fernseher. Es lief die Tagesschau mit Bildern, die uns bis heute überliefert sind - schwarzweiss, unscharf, hektisch -, junge Menschen in Parkas mit langen Haaren, mit ausladenden Bewegungen, mit mir - ich war 1968 zehn Jahre alt - unverständlichen Stellungnahmen, gespickt mit den typischen Allgemeinplätzen der damaligen Zeit.

1968

So natürlich, wie die Welt schwarzweiss daher kam, so natürlich erschienen mir die Bilder - natürlich und fremd zugleich - wie auch die verächtlichen Kommentare meines Vaters und die der interviewten Passanten und Politiker.


Was mir tief in Erinnerung blieb, ist diese Verachtung - fast schon Hass - auf die Studenten, die Veränderungsversuche and er Gesellschaft, die meine Elterngeneration „mit eigenen Händen aus dem Nichts aufgebaut hatte“.

Ich war zehn und vielleicht unpolitisch, aber ich war nicht blind und nicht taub. Mein Herz gehörte den schwarzweissen Revoluzzern, das war ausgemachte Sache für mich. Auch ich wollte Veränderung, meine Revolution kam genauso unausweichlich wie die der „Schwarzweissen“.

Sie kündigte sich mit Pickeln und langen Kommunikationspausen im Wechsel  mit Gebrüll zwischen meinen Eltern und mir an. Ich glaubte den gleichen Hass, die gleiche Verachtung meiner Eltern gegen mich zu spüren, die ich ihn gegen die Studenten wahrgenommen hatte; sogar die Sprüche meiner Eltern waren ähnlich wie die, während die Tagesschau lief.

Drei Jahre später wurde ich Redakteur der Schulzeitung „Kläranlage“. 
Wir waren links, kommunistisch, belächelt, ernsthaft, aufgebracht, gewissenhaft und schön rot in unseren grünen Parkas. 
Wie die schwarzweissen Revoluzzer.




Luzern, Montag 10. April 2017

Dienstag, 4. April 2017

Philosophizing

















Das Reisen ist ein Konglomerat aus Weltfindung und Selbstfindung.
Traveling is a conglomerate of world-finding and self-finding.





Luzern, Dienstag, 4. April 2017